Ich und Du, Du und Ich...
Created on Sunday, 14 September 2008 01:15
Von Jan - Ein grundsätzliches Dilemma existiert bereits nach und in diesen Worten. Sobald sich die Gedanken und die Gefühle in Schriftzeichen, Worte und letztendlich dem abstrakten Begriff der Sprache umwandeln, hat bereits ein Verlust des ursprünglichen und - ich glaube, hier ist das Wort an der richtigen Stelle - wahren Gehalts stattgefunden. ...

... Man fragt sich, wie kann ich mich ausdrücken, sodass ich richtig verstanden werde, und wie kann ich mich meinen Mitmenschen darstellen, sodass andere ein richtiges Bild von mir bekommen. Richtig und falsch sind dabei Wertungen, die meinem Bewertungssystem entstammen und die mit meiner Ansicht übereinstimmen. Neben dieser höchst subjektivistischen Note dieses Dilemmas, muss man aber bedenken, wenn man von richtig oder falsch - oder wie oben von wahr - spricht, wird nebenbei ein Wissen über eine Wahrheit seiner Person impliziert. Das Wissen nämlich, wer man ist und was für einen gut oder schlecht ist.

Ich bezweifle aber, dass man wissen kann, wer man wirklich ist - es ist vielmehr ein Glaube zu wissen, wie die persönliche Wahrheit ist. Ich glaube, dass man das ganze Leben damit beschäftigt ist, sich zu finden, und wer meint sich zu verstehen, versteht im gleichen Moment vielleicht seine Blindheit nicht. Sich zu finden oder zu verstehen, wer bzw. was man ist, findet das Leben lang statt, in einem Prozess, der von vielen Reflexionen und Rückkopplungen abhängt. Durch das Zusammentreffen mit Menschen und durch andere Stimulation der Sinne durch die Umwelt, befinden wir uns in einem ständigen Prozess der Reflexionen, die sich im nächsten Moment in irgendeiner Weise auf den nächsten Moment auswirken. Dadurch kann sich Glaube als Wissen getarnt in verschiedenen Beziehungen ausbilden und über die Jahre verhärten.

Das ist das zweite Dilemma - ich will es mal, neben dem grundsätzlichen, wahrheitliches nennen - was ich bei mir sehe, wenn ich gefragt werde, was ich empfinde, wie mich andere wahrnehmen. Neben der oben begründeten Ansicht, dass sich so ein Empfinden nur im Dialog und im Diskurs mit anderen, für mich erörtern lässt, kann ich doch ein Gefühl bei mir festmachen, was immer wieder auftritt. Trotz dieses in gewisser Weise rationalen Hintergrundwissens, habe ich ein Gefühl der Unsicherheit im Kontakt mit anderen. Eine Unsicherheit, die sich darauf begründet, dass ich mir stets Gedanken machen muss, was andere von mir wohl denken und wie sie mich wahrnehmen. Auch wenn ich nicht weiss warum, habe ich trotzdem das Empfinden, dass ich falsch verstanden werden kann und das auch oft werde, und dass mein Gegenüber nicht weiß, wer ich wirklich bin. Aber da ich es ja auch nicht weiss, frage ich mich: Woher kommen diese Bedenken?
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